Begleitende Untersuchungen

Biodiversität und Vegetationsentwicklung

Die Biodiversität wird stellvertretend durch drei Organismengruppen (Gefäßpflanzen, Libellen, Wasservögel) erfasst und bewertet, die - ebenso wie der Rohrkolben - an (feuchte bis) nasse Standorte gebunden sind. Im Vergleich dazu sollen naturnahe Rohrkolben-Röhrichte untersucht werden, die nicht für eine Paludikultur genutzt werden. Ziel dieser vergleichenden Analyse der Phyto- und Zoodiversität ist es folgerichtig, in den Typha-Produktionsflächen eine möglichst hohe Diversität zu erreichen unter Berücksichtigung möglichst angepasster Bedingungen für Anpflanzung, Aufwuchs und Ernte der zu nutzenden Pflanzenbestände. Eine detaillierte Studie zur Vegetationsentwicklung ist notwendig, um Wachstum und Vitalität der Typha-Bestände im Zusammenwirken mit weiteren Röhrichtpflanzen zu beobachten. Gibt es Konkurrenzphänomene? Wie kann eine möglichst große Produktivität des Rohrkolbens auch bei aufkommender Diversität der Begleitvegetation gesichert werden?

Wasserqualität

Ziel des Arbeitspaketes ist es offene Fragen zur Wasserqualität von etablierten Rohrkolbenbeständen zu klären, insbesondere welche Rolle der Rohrkolben für den Nährstoffrückhalt spielen kann. Auch möglicherweise durch Rücklösung von Phosphorverbindungen entstehende Probleme werden analysiert. Hierfür werden Wasserproben des zu- und abfließenden Wassers mit Autosamplern entnommen und u.a. auf ausgewählte Nährstoffe untersucht.

Ökonomie

Im Rahmen des Arbeitspaketes „Ökonomie“ (2023 – 2026) sollen sowohl die Prozesskosten der beiden zu untersuchenden Verwertungslinien von Typha (Torfersatzstoffe und Dämmmaterialien) untersucht werden als auch die Mehrzahlungsbereitschaft der potenziellen Abnehmer für die jeweiligen aus Typha erzeugten Produkte (“Klimakompost” und Baustoffe) ermittelt werden. Neben der Verwendung als Torfersatzprodukt im Hobby- und Erwerbsgartenbau werden Komposte auch für den Einsatz in der Landwirtschaft zur Reduktion von Treibhausgasemissionen propagiert. Daher soll auch die Wirtschaftlichkeit des Komposteinsatzes in der Landwirtschaft untersucht werden.

Sozioökonomie

Der kommerzielle Anbau von Typha und anderen Paludikulturen und die damit einhergehende Wiedervernässung von drainierten Moorflächen haben wirtschaftliche Folgen für die involvierten Akteure und – bei großflächigem Anbau – Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Landschaft. Im Arbeitspaket “Sozioökonomie” sollen die Präferenzen der regionalen Akteure (insbesondere Landwirt*innen, Bürger*innen) für die Transformation zu einer nassen Moornutzung mit Paludikulturen untersucht werden. Die Analysen erfolgen in einem ex ante-Kontext, d.h. bevor eine großflächige Nutzungsänderung in einer moorreichen Region vorgenommen wird.

Treibhausgas-Messungen

Für Paludikulturen wird bislang angenommen, dass die hohen Grundwasserstände zu einer deutlichen Reduktion der Emissionen der Treibhausgase (THG) CO₂ und N₂Oführen und somit wesentlich zum Klimaschutz beitragen können. Ersten Messdaten zufolge liegen die Einsparpotenziale je nach Vor- und Zielnutzung zwischen 17 und 33 t CO₂-Äq. ha⁻¹ yr⁻¹ (Günther et al., 2014, Oestmann et al., 2022a). Durch die Auswahl von geeigneten, standortangepassten Pflanzenarten und bedingt durch die ganzjährig hohen Wasserstände kann der Torfkörper möglicherweise nicht nur erhalten werden, sondern sogar neuer Torf durch unterirdisch einwachsende Wurzeln und Pflanzenreste entstehen. Dies kann jedoch nur durch Langzeitmessungen nachgewiesen werden. Die geringe Datenverfügbarkeit zur Klimarelevanz von Niedermoorpaludikulturen und insbesondere solchen mit Rohrkolben lässt bisher nur wenig belastbare Aussagen zu.

Im RoNNi-Projekt soll eine erstmalige Quantifizierung der langjährigen THG-Bilanz von zwei Typha-Paludikulturen mittels der Eddy-Kovarianz-Methode erfolgen. Zusätzlich sollen THG-Einsparungen im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten und tief entwässerten Referenzflächen bestimmt werden. Darüber hinaus ist eine Ermittlung des Einflusses der hydro-meteorologischen Standortbedingungen und der Nährstoffsituation auf den CO₂- und CH₄-Austausch geplant.